Familie Gruber, Salzburg

Jung und dynamisch – gemeinsam statt einsam

Im Allgemeinen macht man sich über das Leben zu viele Gedanken, aber oft kommt es anders, als man denkt, so auch bei Familie Gruber: Es gab keinen Hof, keine Kühe und keinen neuen Stall – dafür Fleiß, Engagement und viel Leidenschaft für die Fleckviehzucht.

Eine gute Autostunde von der Stadt Salzburg entfernt befindet sich der Lungau, einer von fünf Gauen des Salzburger Landes. Der Lungau liegt im Südosten des Bundeslandes angrenzend an den steirischen Bezirk Murau und an den Kärntner Bezirk Spital an der Drau. Fast alle Gemeinden liegen auf oder über 1.000 m Seehöhe. Bei einer durchschnittlichen Temperatur von 7,5 Grad Celsius kann und wird es in den Wintermonaten oft sehr kalt.

Arbeit gemeinsam meistern

In Zeiten wie diesen gemeinsam an einem Strang zu ziehen, ist keine Selbstverständlichkeit, gerade in bäuerlichen Betrieben, wo der Arbeitsdruck und die finanziellen Belastungen immer mehr zunehmen. Neben der großen Herausforderung, die täglichen Arbeitsabläufe zu bewerkstelligen, kommen auch noch gesellschaftliche Konfrontationen der Öffentlichkeit auf die Landwirtschaft zu. Bei Familie Gruber vulgo Prielitzer versucht man, die Herausforderungen der heutigen Landwirtschaft so gut wie möglich gemeinsam zu meistern: Andrea und ihr Mann Herbert mit den Kindern Harald, Anja und Martin und deren Familien. Betriebsführerin Andrea arbeitet nebenbei in Teilzeit als Buchhalterin, Herbert in Vollzeit als Mechaniker. Harald ist ebenfalls als Mechaniker tätig und wohnt mit seiner Familie im Ort. Anja, ebenso wie ihre Mutter im Finanzwesen beschäftigt, wohnt in der näheren Umgebung. Martin hat nach seiner Schlosserlehre eine landwirtschaftliche Ausbildung abgeschlossen und auch einen Kurs zum Besamungstechniker besucht. Zurzeit absolviert Martin die Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister. Seit 2018 arbeitet er in Vollzeit am Betrieb mit. Bei arbeitsintensiven Tagen helfen Harald und Anja am Hof mit.

Geschichte und Entwicklung

2009 ergab sich für Andrea und Herbert die Chance, den landwirtschaftlichen Betrieb ihres Onkels samt einer Fleckviehmilchkuhherde zu übernehmen. Andreas Onkel war von jeher ein begeisterter Fleckviehzüchter und hatte zuvor die Zuchtherde aufgebaut. Sehr gerne hilft er noch bei diversen Arbeiten am Hof mit. 2013 wurde ein komplett neuer Liegeboxenlaufstall errichtet. Der Stall bietet Platz für 45 Kühe und 50 Jungtiere. Die Milchkühe genießen das Dasein in gut eingestreuten Tiefbuchten mit planbefestigten Laufgängen und einer Schrapperentmistung. Für eine optimale Versorgung vor und nach der Kalbung dient eine geräumige, gut eingestreute Abkalbebox. Je nach Entwicklung des Kalbes kommt es zur weiteren Aufzucht bis zu einem Alter von ca. vier Monaten in die Gruppenhaltung mit großzügigem Strohbereich. Das Jungvieh wird auf Hochboxen mit Schrapper gehalten. Gemolken wird in einem Fünfer-Autotandem-Melkstand.

Martin, Andrea und Herbert Gruber (v. l.)

Martin, Andrea und Herbert Gruber (v. l.)

Das GS W1-Jungrind mit GZW 131 wurde am 27.5.21 auf der Versteigerung verkauft

Das GS W1-Jungrind mit GZW 131 wurde am 27.5.21 auf der Versteigerung verkauft

NIKI (V. GS Pandora), 32 9.025-4,29-3,24-679, die Mutter des verkauften Rindes

NIKI (V. GS Pandora), 32 9.025-4,29-3,24-679, die Mutter des verkauften Rindes

100.000-kg-Kuh SISSY, 109 9.791-3,38-3,16-641

100.000-kg-Kuh SISSY, 109 9.791-3,38-3,16-641

Fütterung

Den Milchkühen wird seit Anfang 2020 eine aufgewertete Grundfutterration mittels eines elektrischen Futtermischwagens vorgelegt. Die Ration besteht aus Gras- und Maissilage, Kraftfutter, EM und Mineralstoffen. Zusätzlich wird an der Transponderstation eine Getreide-Mais-Eiweißmischung angeboten. Hier ist die Menge je nach Leistungsbereitschaft der Kuh festgelegt. Die Hälfte der Milchkühe verbringt den Sommer auf der 18 km entfernten Alm. Während dieser Zeit wird auf zwei Standorten gemolken. Das ganze Jungvieh wird gealpt. Die Aufzucht der Kälber erfolgt mit Vollmilch bis zur fünfzehnten Lebenswoche. Nach der ersten Woche kommen eine Kälber-TMR, die von Martin selbst zusammengestellt wird, Heu und Wasser dazu.

Die Erntearbeiten werden in Eigenregie durchgeführt. Beim Gras wird aus arbeitstechnischen Gründen auf Rundballensilage gesetzt. Maissilage wird in Rundballen zugekauft. Heuer wurden erstmals nach 30 Jahren wieder Speisekartoffeln, „Eachtlinge“ – so wird im Lungau das kohlenhydratreiche Nahrungsmittel genannt –, angebaut. Die Vermarktung erfolgt direkt an den Konsumenten – eine für den Verbraucher garantierte und transparente Herkunft des Lebensmittels.

Anpaarungsstrategie

80 Prozent der Besamungen werden mit genomischen Jungvererbern gemacht. Die gesamten belegfähigen Tiere werden zu 60 Prozent mit hornlosen Vererbern angepaart. Für die Anpaarungsentscheidung der Fleckviehherde ist Jungbauer Martin verantwortlich. Bei interessanten Tieren wird eine Genotypisierung vorgenommen. Typisierungen dienen speziell bei der gezielten Anpaarung für den hoffentlich gewünschten Erfolg. Zur Unterstützung verwendet Martin den OptiBull-Anpaarungsplaner und GS AIO, um genauere Infos über die Kuh-Stier-Kombinationen zu erhalten. „Vermeiden der Extreme“ ist das Motto des Züchters. Enorme Milchleistung ist nicht ausschlaggebend. Mittelrahmige Kühe mit einem makellosen Exterieur sowie sehr guten Fitnesseigenschaften liegen ihm sehr am Herzen. Positive Inhaltsstoffe haben bei der Anpaarung und Selektion ebenso einen hohen Stellenwert. Aktuell im Einsatz sind ERASMUS, GS ZARAS, ZEIGER, WETTINER, HABSBURGER, ZUBRINGER, GS DER BESTE, MERCEDES Pp, MANOLO Pp, HERAKLES Pp und HAMLET Pp.

Kuhlinien und Vermarktung

Drei Kuhfamilien, die sich am Prielitzerhof sehr gut bewährt haben, sind die N-Linie mit Stammmutter NIKI (V.: Pandora), die G-Linie ausgehend von der MALHAXL-Tochter GISELLA und die S-Linie, hervorgegangen aus der WALDBRAND-Tochter SILWI. Durch die züchterische Vorarbeit des Onkels und das engagierte Weiterführen der nächsten Generation konnten bereits ein paar 100.000-kg-Kühe hervorgebracht werden.
Der Betrieb vermarktet seine Zuchttiere über die Rinderzucht Salzburg. Im Mai wurde aus der N-Linie ein gut typisiertes Rind auf der Zuchtrinderversteigerung in Maishofen zum Verkauf angeboten und konnte einen sehr guten Preis erzielen. Der Absatz der männlichen Kälber erfolgt über einen regionalen Mäster. Familie Gruber beteiligt sich auch gerne an Rinderschauen im Salzburger Land.

Blick in die Zukunft

Langweilig wird’s auf dem Prielitzerhof auf jeden Fall nicht: Martins Schwerpunkte für die nächste Zeit fokussieren sich zum einen auf eine noch bessere saisonale Abkalbung und zum andere auf eine höhere durchschnittliche Abgangslebensleistung der Kühe. Das Züchten von langlebigen Milchkühen steht an erster Stelle. Andrea, die seit geraumer Zeit mit Homöopathie im Kuhstall zu arbeiten begonnen hat, will sich mit der Materie noch mehr auseinandersetzen. Und in nächster Zukunft wäre ein Neubau des Wohnhauses geplant, da sich das jetzige ca. 8 km vom Hof entfernt befindet.

Betriebsdaten

Familie Gruber vulgo Prielitzer, Atzmannsdorf 49, 5580 Tamsweg

Lage: Salzburg, Lungau – Gemeinde Tamsweg

Seehöhe: 1.050 m

Niederschlag: 800-900 mm

Temperatur: 7,5 Grad Celsius im Jahresdurchschnitt

Fläche: 36,59 ha landwirtschaftliche Nutzfläche (davon 9,17 ha gepachtet), aufgeteilt auf 24,59 ha Grünland und 12 ha Acker; 30 ha Alm + 14 ha gepachtete Hutweide; 12 ha Wald

Stall: 2013 Neubau eines Laufstalls mit Melkstand für 45 Kühe und 50 Jungtiere
Fütterung: aufgewertete Grundfutterration bestehend aus Gras- und Maissilage; Vorlage durch einen Futtermischwagen; Transponder

Betriebsschwerpunkte: Milchproduktion, Zucht- und Nutzrindervermarktung

Mitgliedschaften: Rinderzucht Salzburg, Bio Austria, Salzburg Milch

Ø Abgangslebensleistung: 33.326 kg

Herdenleistung: 

Herdenleistung Betrieb Gruber, Tamsweg

Autor: Maria Reitstätter, Rinderzucht Salzburg